Fraunhofer-Open-Access-Strategie

Fraunhofer-Open-Access-Strategie

In konsequenter Weiterentwicklung des Bekenntnisses zum freien Zugang zu Forschungsergebnissen verabschiedete Fraunhofer 2015 die Fraunhofer-Open-Access-Strategie 2020, die konkrete Maßnahmen zur weiteren Umsetzung von Open Access beinhaltet.

Fraunhofer-Open Access-Strategie 2020 (PDF)

Konkrete Ziele

Konkret wird angestrebt, bis 2020 mindestens jede zweite wissenschaftliche Publikation eines Jahrgangs per Open Access frei zugänglich zu machen, davon mindestens ein Drittel über den goldenen Weg der Erstveröffentlichung in einer Open-Access-Zeitschrift. Durch gezielte Förderung soll zugleich erreicht werden, dass – soweit möglich – auch zugehörige Forschungsdaten frei zugänglich gemacht werden.

Übergeordnete Ziele

Gesellschaftliche Verantwortung – Wissenschaft als öffentliches Gut

Als öffentlich geförderte Einrichtung hat die Fraunhofer-Gesellschaft die Verantwortung, einen einfachen, freien und schnellen Zugang zu Forschungsergebnissen (einschließlich dazugehöriger Forschungsdaten) zu ermöglichen und damit die Öffentlichkeit über die Ergebnisse und Resultate ihrer Forschungsaktivitäten zu informieren. Alle Fraunhofer-Publikationen sollen deshalb – wenn irgend möglich – auf dem grünen oder dem goldenen Weg des Open Access veröffentlicht werden.

Wertschöpfung durch Wissenstransfer

Publikationen sind bei Fraunhofer ein wesentliches Element des Wissens- und Technologietransfers in die Gesellschaft und zu potenziellen Auftraggebern und Kooperationspartnern. Fraunhofer-Forschungsergebnisse sollen bestmöglich zugänglich sein und für eine direkte Anschlussforschung zur Verfügung stehen. Frei zugängliche Open-Access-Publikationen sind zudem offen für innovative Auswertungsverfahren. Durch die vernetzte und digitalisierte Nachnutzung von wissenschaftlichen Erkenntnissen werden neue Forschungsansätze und Innovationen ermöglicht und der unmittelbare und zeitnahe Austausch gefördert.

Reproduzierbarkeit von Ergebnissen (Transparenz der Forschung)

Reproduzierbarkeit ist ein grundlegendes Prinzip wissenschaftlichen Arbeitens, denn sie macht Ergebnisse nachvollziehbar und überprüfbar. Der freie Zugang zu wissenschaftlichen Publikationen über Open Access erhöht die Transparenz in der Forschung und stellt sicher, dass die Ergebnisse schneller und einfacher überprüft werden können, insbesondere, wenn zugleich auch die zugrundeliegenden Forschungsdaten zugänglich gemacht werden.

Effizienzsteigerung

Publikationen werden durch Open Access rascher und effizienter in den Forschungsmarkt eingebracht, der freie Zugang wird für alle Marktteilnehmer ermöglicht. Eine zeitnahe Verfügbarkeit der wissenschaftlichen Arbeiten führt zu einer schnelleren Rezeption der Ergebnisse und kürzeren Innovationszyklen. Durch den freien Zugang zu wissenschaftlichen Publikationen und damit zu Forschungsergebnissen werden außerdem insbesondere Fraunhofer-Partner aus der Wirtschaft in die Lage versetzt, die richtigen Ansprechpartner für zukünftige Forschungsprojekte zu identifizieren.

Kostenoptimierung

Es wird angestrebt, im Zuge der Open-Access-Aktivitäten in Kooperation mit den relevanten Wissenschaftsverlagen kostentransparente Modelle zu entwickeln.

Einhaltung politischer Rahmenbedingungen

Die Fraunhofer-Gesellschaft erfüllt die Anforderungen der Open-Access-Strategien von EU, Bund und Ländern sowie die Vorgaben von Förderorganisationen auf nationaler und europäischer Ebene. Im nationalen und europäischen Rahmen wird das Open-Access-Publizieren als öffentliches Interesse wahrgenommen, somit fördert die Open-Access-Strategie den Kulturwandel im Wissenschaftssystem.

Maßnahmen

1. Förderung von Open-Access-Grün-Publikationen

Der Grüne Weg des Open Access der Zweitveröffentlichung wird noch stärker als bisher gefördert:  Die Open-Access-Rate der einzelnen Fraunhofer-Institute liegt derzeit durchschnittlich bei 10-15 % und ließe sich noch deutlich steigern. Viele bereits erschienene Fraunhofer-Publikationen hätten bei Ausschöpfung aller rechtlichen Möglichkeiten das Potenzial zu Open Access. Fraunhofer-Autoren mit Publikationsprojekten sind für sich alleine nicht immer in der Lage, optimale Open-Access-Bedingungen für ihre geplante Veröffentlichung bei Wissenschaftsverlagen auszuhandeln. Daher wird es verstärkte Anstrengungen und Hilfestellungen auch in Form von Informationen für Fraunhofer-Autoren geben. Zu den  Angeboten gehört z. B. auch die automatische rechtliche Prüfung aller bereits erschienenen Publikationen auf eine mögliche Open-Access-Zweitveröffentlichung und das nachträgliche Einstellen dieser Volltexte auf Fraunhofer-ePrints.

 

2. Förderung von Open-Access-Gold-Publikationen

Open-Access-Gold-Publikationen in Open-Access-Zeitschriften kosten Geld. Sie kehren jedoch das traditionelle Bezahlprinzip für den Zugang zu wissenschaftlicher Fachinformation um, denn nicht der Leser (oder die Bibliothek) bezahlt durch den Erwerb von Lizenzen, sondern der Autor (oder seine Organisation) bezahlt eine Gebühr an den Verlag. Diese Publikationskosten, oft Article Process Charges genannt,  sollen bei Fraunhofer künftig zentral erfasst und durch die Einrichtung eines Publikationsfonds anteilig zentral mitfinanziert werden. Hierfür ist zunächst der Aufbau eines integrierten Lizenz- und Publikationskostenmanagements notwendig, welches es ermöglicht,  die Budgets für Fachinformationslizenzen und Publikationskosten transparent zu machen und Open-Access-Rabatte bei Verlagen konsequent einzufordern. Nach ersten Erfahrungen mit einem Pilotprojekt »Open-Access-Förderfonds« aus den Jahren 2009 bis 2013 ist der Fraunhofer-Publikationsfonds Anfang 2017 gestartet.

 

3. Aufbau einer Infrastruktur zum zentralen Nachweis und zur Open-Access-Publikation von Forschungsdaten (Open Data)

Im Rahmen des Projekts FORDATIS wird eine zentrale Forschungsdaten-Infrastruktur für die Fraunhofer-Gesellschaft aufgebaut. Dazu wird die Datenbank »Fraunhofer-Publica« um ein Forschungsdaten-Repositorium Fraunhofer-FORDATIS erweitert. In FORDATIS werden die Forschungsdaten anhand aussagekräftiger, standardisierter Metadaten beschrieben, veröffentlichte und zu veröffentlichende Datensätze können abgelegt werden. Über die OAI-PMH-Schnittstelle werden die Metadaten in andere Systeme, wie zum Beispiele OpenAIRE oder BASE eingespielt und von Google indexiert. Somit sind die Forschungdaten für die breite Öffentlichkeit sichtbar.

Begleitend zur technischen Umsetzung wird eine Support-Struktur zum Thema Forschungsdaten aufgebaut. So können Wissenschaftler und andere Interessensgruppen bei Fragen rund um das Thema optimal beraten werden.

Das Projekt läuft von September 2016 bis August 2018.

Siehe auch

Open Access bei Fraunhofer

Balance zwischen Wissenschaft und Wirtschaft

Fraunhofer-Publica und -ePrints

Die Publikationsdatenbank und das Repositorium der Fraunhofer-Gesellschaft

Open-Access-Publikationen

Weltweit frei verfügbare Publikationen der Fraunhofer-Mitarbeiter